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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Zum Begriff Intertextualität
  3. 3 Fünf Liebesgeschichten und die Liebenden von Manhattan
  4. 4 Schlussbemerkung
  5. 5 Literaturverzeichnis
    1. 5.1 Quellen
    2. 5.2 Darstellungen
    3. 5.3 Weitere, in der Arbeit nicht zitierte Titel

[26. Juli 2003]

Intertextualität in Ingeborg Bachmanns Der gute Gott von Manhattan

Jan und Jennifer: ein klassisches Liebespaar?

Abstract
Die Szene Im Theater nimmt m. E. eine Schlüsselstellung in Ingeborg Bachmanns Hörspiel ein. Denn von ihr aus lässt sich das Drama um Jan und Jennifer deuten. Parallelen und Unterschiede zwischen den Protagonisten und den fünf klassischen Liebespaaren, auf die Bezug genommen wird, sollen dabei helfen.

1 Einleitung

Die bürgerlichen Tendenzen vieler Arbeiten liegen hier exemplarisch zutage.[1] So stufte Wolf Wondratschek Anfang der 70er-Jahre Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan ein. Seine Hauptkritikpunkte sind, dass das Hörspiel nicht thematisiere, woran die Liebesbeziehung der Protagonisten zugrunde geht, und dass man so gut wie nichts darüber[2] erführe, welche Bedingungen dem Niedergang der Liebe von Jan und Jennifer zugrunde liegen. Dass er die gesellschaftsutopischen Extension des Bachmann’schen Spieles nicht und wenn dann nur unzureichend erfasste, zeigt sich in seiner Äußerung: Die Liebe und deren Erlebnisweise bleiben auf das pure Beeinandersein beschränkt.[3] Jürgen Becker legte in seiner direkten Replik[4] auf Wondratscheks Polemik nachvollziehbar dar, dass die Aussage beileibe nicht so schlicht ist und sich die Liebe von Jan und Jennifer nicht auf ein pures Beieinandersein beschränkt. Indem er die Position des guten Gottes in ein anderes Licht rückte[5], zeigte Becker, dass Ingeborg Bachmann die Unmöglichkeit demonstriert, eine äußerste Utopie von Liebe hier und heute zu verwirklichen[6], demnach also durchaus eine Aussage darüber macht, worin das Scheitern der Liebenden begründet liegt.

Diese Diskussion der frühen 70er-Jahre ist insofern interessant, als sie ein Schlaglicht auf den Umstand wirft, wie entscheidend das Verständnis von Bachmanns Bildersprache für das Verständnis des gesamten Werkes ist. Dass sich erst durch eine explizite Deutung der, oberflächlich betrachtet, pittoresk anmutenden Figuren (Eichhörnchen) oder grotesk wirkenden Verse (Stimmen) der Hinter-Grund des Spiels erschließt, macht eine Sichtweise wie die von Wondratschek deutlich.

Die vorliegende Arbeit wird diesem Gedankengang folgend ihr Augenmerk auf eine Szene richten, welche die von Wondratschek so vehement eingeforderten objektiven Bedingungen[7] für den Niedergang der Liebenden aus Manhattan deutlich macht. Die Rede ist von der Szene Im Theater[8], einer Szene, die von Viola Fischerova gar als strukturelles Zentrum des Spiels[9] bezeichnet wurde. Inwiefern die genauere Betrachtung von fünf der schönsten Liebesgeschichten der Welt[10] das Verständnis des Hörspiels bereichern, ja erweitern kann, soll im Folgenden vorgeführt werden.

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[1] Wondratschek/Becker 1970, S. 191.

[2] Ebd.

[3] Ebd., S. 192.

[4] Ebd., S. 192–194.

[5] Dieser Gute Gott durchschaut wohl die Utopie, die in der Liebe von Jan und Jennifer gelebt werden soll, aber eben, weil da nicht bloßes Privatglück sein Recht verlangt, sondern weil sich in der Intensität dieser Liebe eine Konsequenz androht, die ins Gesellschaftliche übertragen, zum befreienden Chaos führt und damit zur Auflösung des ruhig ordentlichen Ganzen, versichert er via Gewalt dieses bedrohte Ganze (Ebd., S. 193–194).

[6] Ebd., S. 194.

[7] Ebd., S. 191.

[8] WA 1, S. 294–295.

[9] Fischerova 1977, S. 288.

[10] WA 1, S. 294.

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