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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Zum Begriff Intertextualität
  3. 3 Fünf Liebesgeschichten und die Liebenden von Manhattan
  4. 4 Schlussbemerkung
  5. 5 Literaturverzeichnis
    1. 5.1 Quellen
    2. 5.2 Darstellungen
    3. 5.3 Weitere, in der Arbeit nicht zitierte Titel

[26. Juli 2003]

2 Zum Begriff Intertextualität

Gerade weil in der wissenschaftlichen Diskussion über die inhaltliche Ausdehnung des Begriffs Intertextualität und über diesen selbst[11] noch keine vollkommene Einstimmigkeit erlangt wurde und ferner in eben dieser Diskussion die Ansicht geäußert wird, er könne verschiedenste Formen von Textbezügen bezeichnen, macht es Sinn, hier kurz zu erläutern, wie ich ihn verstehe.

Meine Vorgehensweise kann es im Folgenden nicht sein, einem universalistischen Konzept nachzugehen, wie Julia Kristeva es entwickelte.[12] Kristeva geht davon aus, dass jedwede Form kultureller Äußerung Text sei, baut ihre Theorie also auf der Basis eines entgrenzten Textbegriffs. Dieses ist ein hilfreiches Konzept für eine literatur- bzw. kulturkritische Perspektive[13], wie Renate Lachmann es nannte. Ich möchte hier jedoch versuchen ein einzelnes, klar abgrenzbares Element eines Textes als Intertext herauszustellen, und zwar insofern, als die Bezüge nicht einem regressus ad infinitum[14] folgen, sondern sich auf eine geringe Anzahl von Prätexten beschränken. Hierbei bewege ich mich, Manfred Pfister zufolge[15], auf einem Weg, den die überwiegende Zahl vorhergehender literatur- und sprachwissenschaftlicher Untersuchungen eingeschlagen hat. Dies kann nicht weiter verwundern, da eine Entgrenzung der Textbasis mit einer Entgrenzung der Behandlungsbreite einhergehen muss. Eine solche Arbeit wäre, getreu dem universalistischen Konzept, somit nur angemessen, wenn sie selbst enzyklopädische Ausmaße annähme. Praktikabel ist ein derartiges Vorgehen nicht.

Kategoriale Konzepte möchte ich ebenfalls nicht verwenden, gleichwohl es praxistaugliche gibt, die bei einer strukturellen Textbetrachtung durchaus hilfreich sein können.[16] Nicht auf Strukturen, sondern vor allem auf inhaltliche Aussagen des Hörspiels möchte ich mich beziehen; ein Vorhaben, bei dem Kategoriengebäude nur wenig hilfreich sind.

Karlheinz Stierle postuliert in seinem Aufsatz Werk und Intertextualität eine Unterscheidung zwischen produktionsästhetischer und rezeptionsästhetischer Intertextualität[17]. Seiner Definition folgend ist die produktionsästhetische Intertextualität wohl für die Konstitution des Werkes, jedoch nicht unbedingt für das Verständnis des Textrezipienten von Bedeutung. Ein Werk mit produktionsästhetischer Intertextualität könne durchaus, ohne intertextuelle Beziehungen aufzudecken, als Werk an sich verstanden werden, wenn auch seine Strukturen zu einem Großteil auf der Matrize eines Prätextes beruhen. Demnach wäre es ergo nicht entscheidend für das Verständnis, die Bezugstexte und ihr Verhältnis zum eigentlichen Werk zu eruieren. Anders verhalte es sich jedoch, wenn das Aufdecken der produktionsästhetischen Intertextualität für eine Steigerung seiner [des Lesers] Wahrnehmung nutzbar gemacht werden[18] kann. Hier spielt nun die Rezeptionsästhetik hinein, die ein Werk zu anderen Werken in Beziehung setzt. Der Leser korreliert – idealerweise – verschiedene Werke, auf die angespielt wird, mit dem Werk, in dem angespielt wird, und versucht Interferenzen, Differenzen oder Identitäten aufzudecken:

Experimente solcher Art sind geeignet, Stereotypen der Wahrnehmung aufzubrechen und das Werk in ungewohnte Beleuchtung zu stellen.[19]

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[11] Zwischen Subtext, Hypotext, Hypertext, Anatext, Paratext, Intertext, Transtext, Text im Text […] oszilliert die Terminologie (Lachmann 1984, S. 133).

[12] Vgl. Pfister 1985, S. 6–9.

[13] Lachmann 1984, S. 134; Lachmann will in ihrem Aufsatz drei Perspektiven der Intertextualität unterschieden wissen: texttheoretische, textanalytische und literatur- bzw. kulturkritische.

[14] Pfister 1985, S. 9.

[15] Vgl. ebd., S. 15.

[16] Pfister beispielsweise nahm eine Einteilung nach qualitativen und quantitativen Kriterien vor, wobei er die Qualität der intertextuellen Referenz noch einmal exakter differenzierte. (S. ebd., S. 25–30). Auch Lachmann schlägt Begriffe für eine Einzelanalyse vor, die allerdings, nach meinem Dafürhalten, einen eher explizierenden als heuristischen Charakter haben (s. Lachmann 1984, S. 136).

[17] Stierle 1984, S. 140.

[18] Ebd., S. 141.

[19] Ebd.

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