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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Zum Begriff Intertextualität
  3. 3 Fünf Liebesgeschichten und die Liebenden von Manhattan
  4. 4 Schlussbemerkung
  5. 5 Literaturverzeichnis
    1. 5.1 Quellen
    2. 5.2 Darstellungen
    3. 5.3 Weitere, in der Arbeit nicht zitierte Titel

[26. Juli 2003]

Dieser Ansatz ist insofern interessant, als sich hier Intertextualität als eine Gelenkstelle zeigt, an der sich verschiedene Deutungsmuster ineinander schieben. Da mein Vorhaben nicht so sehr auf die Struktur der Textreferenzen abzielt, dafür auf die Intension, den Sinngehalt, die Deutung des Hörspiels von Ingeborg Bachmann schaut, stellt sich folglich die Frage, welche Absichten die Autorin mit den intertextuellen Bezügen verfolgte und ob das Aufdecken dieser für den Hörer eine Erweiterung der Wahrnehmung, also einen Gewinn bei der Rezeption des Hörspiels möglich macht. Um das Vokabular Stierles zu verwenden: Ich beschäftige mich mit einer rezeptionsästhetischen Sichtweise auf das Hörspiel.

In Kap. 3 soll eine detaillierte Analyse der Bezugnahme des Phänotextes auf die Prätexte erhellen, inwiefern oder ob der Leser respektive Hörer aus dem Aufdecken intertextueller Bezüge einen Mehrwert schöpft. Letzten Endes wird sich hierdurch auch die Frage klären, die über allem steht: Sind Jan und Jennifer ein klassisches Liebespaar?

Eine Frage, deren Bejahung bis hierher präsupponiert wurde, muss jedoch zuvor geklärt werden: Ist in der ausgewählten Szene überhaupt ein intertextueller Bezug von der Autorin erwünscht? Ich denke, dass durchaus ein Ja die richtige Antwort ist. Ein textstrukturelles Merkmal, welches diese Einschätzung begründen kann, wäre, dass die fünf Liebespaare im Zentrum der Betrachtung stehen und nicht en passant oder gar unbewusst von Ingeborg Bachmann in den Text eingewoben wurden. Wäre dem so, spräche dieser Umstand zwar immer noch nicht notwendigerweise dafür, von einer intertextuellen Betrachtung Abstand zu nähmen. Da die fünf Paare in der Theaterszene gleichwohl die Essenz, der eigentliche Inhalt der Szene sind, darf von einer expliziten Bezugnahme ausgegangen werden. Ferner handelt es sich nicht um einen Exkurs, eine Nebenhandlung, sondern eine Szene, in der zwei entscheidende Figuren, die Eichhörnchen Billy und Frankie, die Geschichten der Liebespaare auf eine mehr eigene denn artige Weise zusammenfassen und somit das Ende Jans und Jennifers vorausdeuten. Entscheidend im Kontext des Spiels sind Billy und Frankie vor allem deswegen, weil sie die Zubringer[20] des guten Gottes sind, der Jennifer letzten Endes umbringt. Wenn diese Szene tatsächlich das strukturelle Zentrum[21] ist, von dem Fischerova spricht, würde die Annahme, Intertextualität sei erwünscht, weiter erhärtet. Die Klärung dieses Punktes griffe hier jedoch zu weit voraus und soll erst im Ausgang der Arbeit wieder aufgegriffen werden.

Darüber hinaus ist eine Aussage Ingeborg Bachmanns in einem Interview hinsichtlich dieser Frage von nicht unwesentlicher Bedeutung:

Dieses Stück bezieht sich doch auf einen Grenzfall von Liebe, auf einen dieser seltenen ekstatischen Fälle, für die es tatsächlich keinen Platz in der Welt gibt und nie gegeben hat. Und deswegen habe ich ja in diesem Stück auch auf ein paar der großen Liebespaare angespielt[22].

Es bleibt also festzuhalten, dass sowohl die Autorin auf eine bewusste Anspielung insistierte als auch Aufbau und Inhalt der Szene darauf deuten, dass das Heranziehen eines Vergleichs nicht willkürlich, nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern durchaus gefordert wird.

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[20] Der gute Gott äußert in Bezug auf die Eichhörnchen gegenüber dem Richter: Sie waren mein Nachrichtendienst, die Briefträger, Melder, Kundschafter, Agenten. […] Billy und Frankie hatte ich als Hauptleute. (WA 1, S. 274).

[21] Fischerova 1977, S. 288.

[22] GuI, S. 86.

© 2002–2008, Nico Dorn (Nutzungsbedingungen) Letzte Änderung dieser Seite: 1. Dezember 2008

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