TextTexturen

Zum Inhaltsanfang springen

Navigation

Wegweiser

Seiten

1  |2|  3  4  5  6  7  8  9  10  11

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Herrscher- und Heroenkulte in der griechischen Welt
  3. 3 Die Entstehung des Roma-Kultes in der griechischen Welt
  4. 4 Roma und Augustus
  5. 5 Schlussbemerkung
  6. 6 Literaturverzeichnis
    1. 6.1 Quellen
    2. 6.2 Darstellungen
  7. 7 Bildnachweis

[30. April 2005]

2 Herrscher- und Heroenkulte in der griechischen Welt

Ich möchte in diesem Kapitel nur kurz anreißen, wodurch sich Herrscher- und Heroenkulte in der griechischen Welt auszeichneten. Diese sehr knappe Darstellung soll vornehmlich dazu dienen, die Formen dieser Kulte in den folgenden Abschnitten mit den Formen der Roma-Verehrung zu kontrastieren.[5]

Etwa seit dem 8. Jhr. v. Chr. verbreiteten sich Heroenkulte in der griechischen Welt. Der verehrte Heros ist zumeist eine mythologische Gestalt, kann aber auch real existiert haben. Seit dem 5. vorchristlichen Jhr. ist eindeutig belegt, dass auch Menschen, die tatsächlich gelebt haben, nach ihrem Tode zum Heros wurden. Der Heros wird ebenso als schützend wie auch strafend vorgestellt. Poleis ziehen ihre Legitimation oftmals aus historischen oder mythischen Gründerheroen, die auf der Agora ihr Grab hatten, was zunächst ungewöhnlich erscheinen muss, da Gräber in der Antike für gewöhnlich vor der Stadt lagen. Dass der Heros eines innerhalb der Stadtgrenzen hatte, markiert seine große Bedeutung für das Gemeinwesen. Zentraler Ort der Verehrung war dieses Grab des Heros, denn die Kulte waren von der Vorstellung getragen, der Heros wirke aus der Erde heraus sowohl schützend als auch strafend. Hier wurden auch Kulthandlungen, wie Libationen, ausgeführt. In der Regel blieben Heroenkulte lokal gebunden, konnten aber auch panhellenische Bedeutung erlangen. Es lassen sich Opferhandlungen mit Libationen und Schlacht- und Verbrennungsopfer, aber auch Agone zu Ehren des Heros feststellen. Darüber hinaus sind außergewöhnliche Formen der Ehrenbezeigung überliefert: Weinen und Klagen, das Abhalten festlicher Bankette (was eher an dionysische Feiern erinnert) oder das Bereiten eines Bades.[6]

Das Herrscherbild der Griechen verband die Person des Herrschers mit der Vorstellung von einem Gottessohn, Heros oder Staatsgründer. Die Verehrung von Heroen war demnach ein Anknüpfungspunkt für die Ehren, die später Herrschern zuteil wurden.[7] Prägend für das Herrscherbild der in dieser Arbeit behandelten Epoche wurde für die Griechen Alexander der Große (356–323). Mit ihm wurden neue Formen der herrschaftlichen Legitimation eingeführt: der militärische Erfolg, explizite Herrschaftszeichen wie das Diadem und die sakrale Überhöhung der Person des Herrschers. Fritz Taeger zufolge entstand der hellenistische Königskult in dem Moment, in dem die staatliche Organisationsform der Polis durch eine neue verdrängt wurde. Der Herrscherkult war Symptom dafür, daß die Zeit des Gemeindestaates vorüber war.[8] Politische Veränderungen bedingten, so interpretiere ich diese Aussage Taegers, Veränderungen im religiösen Gebaren. Die nun entstehenden Herrscherkulte hätten allerdings, so Taeger weiter, an vorhellenistische Bedingungen anknüpfen können. Und diese Bedingungen sind meines Erachtens die Heroenkulte gewesen, denn ihr Fundament ist die Vorstellung, dass der Heros Macht über das Geschehen im Hier und Jetzt besitzt. Sobald sich aber ein Herrscher als mächtiger erweist, müssten folgerichtig ihm diese Kulte zukommen, zumal seine militärische Macht als Numen, Ausdruck seines göttlichen Wesens als wirkender Kraft, verstanden werden konnte. So werden unter Alexanders Nachfolgern Kulte, welche ursprünglich nur verstorbenen Königen zugedacht waren (auch die Heroenkulte waren nur für bereits Verstorbene vorgesehen), auch von noch lebenden Herrschern beansprucht.[9] Dass es im Rahmen der Herrscherkulte zu immer größeren Ehren bis hin zur Vergottung gekommen ist, gründet auch darin, dass die heroischen Kulte für eine Auszeichnung der besonders bedeutenden Potentaten nicht mehr genügten. The greatest honours for the greatest people[10], wie Price schreibt. Auch für den keltischen Kulturraum hält ein Interpret diese Entscheidungsgrundlage für nachweisbar.[11] Diese Haltung, in Bezug des Religiösen für den politisch Mächtigeren zu votieren, ist demnach in der antiken Lebenswelt nicht etwa eine singulär griechische. Die politische Macht korrelierte mit ihrer religiösen Bedeutung auch in anderen Kulturkreisen.

|2|

Tags: , , , , , , , , ,

[5] Mellor 1981: S. 956–7 sieht die Wurzeln von Roma auch in Herrscher- und Wohltäterkulten.

[6] Vgl. Graf 1998: Sp. 476–9.

[7] Vgl. auch Price 1984: S. 1, der konstatiert, dass den neuen Herrschern Verehrungen zukamen, die in ein bereits vorhandenes Gerüst an Ehren für alte Götter eingepasst wurden.

[8] Taeger 1960: S. 4.

[9] Vgl. Eder 1998: Sp. 498–9.

[10] Price 1984: S. 24.

[11] Vgl. Clauss 1999: S. 18.

© 2002–2008, Nico Dorn (Nutzungsbedingungen) Letzte Änderung dieser Seite: 1. Dezember 2008

Zum Seitenanfang springen