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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Herrscher- und Heroenkulte in der griechischen Welt
  3. 3 Die Entstehung des Roma-Kultes in der griechischen Welt
  4. 4 Roma und Augustus
  5. 5 Schlussbemerkung
  6. 6 Literaturverzeichnis
    1. 6.1 Quellen
    2. 6.2 Darstellungen
  7. 7 Bildnachweis

[30. April 2005]

Der Zusammenhang zwischen Einrichtung von Roma-Kulten und politischen Entwicklungen ist evident. Ich halte aber Überlegungen von Price für durchaus bedenkenswert, dass wir vorsichtig sein müssen, unsere heutige Vorstellung einer klaren Trennung von Politik und Religion auf die vorchristliche griechische Welt zu übertragen.[25] Price sieht sowohl Politik als auch Religion als Mittel, um Macht auszuüben, und Macht keineswegs auf explizit politische Macht beschränkt.[26] Und die aus dieser Macht resultierende militärische Überlegenheit konnte, wie ich meine, durchaus auch als göttliches Wirken interpretiert werden. Ein Beispiel, das die wechselseitige Durchdringung der beiden Sphären Politik und Macht sinnfällig macht, ist die Errichtung des zentralen Heiligtums zur Verehrung von Roma und Augustus durch Augustus in Pergamon (vgl. Kap. 4). Pergamon hatte durch das Dekret des Augustus zentrale religiöse Bedeutung in Kleinasien erlangt. Zugleich aber genoss die Stadt auch große politische Bedeutung. Denn sie war der Sitz des Koinons von Asien: einer politischen Organisation asiatischer Städte. Pergamon war mithin sowohl politisches als auch religiöses Zentrum in Kleinasien geworden, die beiden Sphären waren räumlich und institutionell vereint.[27]

Wie schon mehrfach erwähnt, hatte die Verehrung des römischen Volkes und der römischen Macht, personifiziert in der Göttin Roma, ihren Ursprung in den hellenistischen Herrscher- und Heroenkulten. Dies sieht man sehr deutlich daran, dass anfangs auch Konsuln und Prokonsuln verehrt wurden, wenn sich diese im griechischen Osten besonders hervorgetan hatten. Ihnen wurden Ehren zuteil, die bei Herrscher- und Heroenkulten typischerweise gewährt wurden. Wie eng die Verbindung zu den älteren Wohltäterkulten war, illustriert das Beispiel des römischen Politikers und Feldherrn Titus Quinctius Flamininus (ca. 228–174): 191 v. Chr. wurde Antiochos III. von den Griechen unter maßgeblicher politischer Beteiligung von Flamininus bei der Schlacht an den Thermopylen besiegt. Antiochos floh darauf nach Chalkis. Dorthin wurde er von Manius Acilius Glabrio, Konsul im Jahr 191 v. Chr., und Flamininus verfolgt. Manius entschloss sich, Chalkis anzugreifen, was Flamininus jedoch, da Antiochos bereits weitergeflohen war, zu verhindern wusste. Dafür erwiesen die Chalkidier Flamininus ausgesprochen reichhaltige Ehren:[28] Sie widmeten ihm zusammen mit Herkules ein Gymnasium sowie ein Delphinium zusammen mit Apollon. Ferner wurde ein Priester für ihn gewählt und eingesetzt, was auf einen Kult hinweist, der für ihn eingerichtet worden sein muss. Dem Bericht Plutarchs (ca. 46–120) zufolge muss dieser Kult mit Trankspenden und anderen Opfern begangen worden sein.[29] Dass ein Kult mit eigenem Priester für Flamininus eingerichtet wurde, zeigt deutlich, dass es sich um göttliche Ehren gehandelt hat, die man ihm zuerkannte. Ferner fällt auf, dass er Apollon und Herkules, der in der Mythologie ehemals menschliche Heros, welcher Eingang in das Pantheon der griechischen Götter gefunden hatte, nebengestellt wurde. Ein eindeutiges Zeichen für seine Vergottung bringt aber der Hymnus, der ihm zu Ehren gesungen wurde (Plutarch zitiert nur die letzten Verse):

And the Roman faith we revere, which we have solemnly vowed to cherish; sing, then, ye maidens, to great Zeus, to Rome, to Titus <Flamininus>, and to the Roman faith: hail, Paean Apollo! hail, Titus our saviour![30]

Flamininus wird hier als soter (saviour), als Retter bezeichnet. Gerade die Hinzufügung dieses Beiworts verweist auf die Vergottung des Flamininus durch die Chalkidier. Ferner fällt auf, dass ihm nicht allein in seiner Eigenschaft als wohltätiger Einzelperson, sondern auch als Vertreter Roms gehuldigt wird. Nicht umsonst wird zweimal betont, dass man den römischen Glauben (the Roman faith) verehre. Ferner wird Rom selbst in einer Reihe mit dem höchsten Olympier, Zeus, und Flamininus angerufen. Ich denke, dass diese Beobachtungen dafür sprechen, dass Flamininus als Vertreter der römischen Macht gesehen wurde, die in der Besiegung des Antiochos bei den Thermopylen wieder ihre unüberwindliche Stärke unter Beweis gestellt hat, nun aber Milde zeigte und Chalkis verschonte. Die Ehren resultieren also auch hier wieder aus einer militärischen Überlegenheit. Auffällt allerdings, dass Plutarch nichts von einer Verehrung der Göttin Roma berichtet, obwohl diese laut Tacitus einige Jahre zuvor in Smyrna etabliert worden sein soll.[31]

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[25] Vgl. Price 1984: S. 16, Beard 1999: S. 359 u. Clauss 1999: S. 20–3.

[26] Vgl. Price 1984: S. 242–8. Mellor betont, dass die Grenzen zwischen der religiösen Verehrung und der bloßen Huldigung eines Herrschers fließend seien (Mellor 1981: S. 957).

[27] Vgl. ebd.: S. 978.

[28] Vgl. Plut. Flamininus 16,1–2.

[29] Vgl. ebd. 16,3–4.

[30] Ebd. 16,4.

[31] Auch Cicero (ad Q. fr. 1,26) berichtet, dass ihm zu Ehren die Errichtung eines Tempels in Asien angestrengt worden sei. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass auch Magistraten kultische Ehren angeboten wurden. Price wendet diesem Befund gegenüber allerdings ein: It seems unlikely that the Greeks seriously expected their offers of temples to be accepted and even more unlikely that any were built. (Price 1984: S. 46)

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