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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Herrscher- und Heroenkulte in der griechischen Welt
  3. 3 Die Entstehung des Roma-Kultes in der griechischen Welt
  4. 4 Roma und Augustus
  5. 5 Schlussbemerkung
  6. 6 Literaturverzeichnis
    1. 6.1 Quellen
    2. 6.2 Darstellungen
  7. 7 Bildnachweis

[30. April 2005]

Die frühen Kulte für die Göttin Roma setzten sich also aus dem kompletten Satz an Ehren zusammen, die Herrschern zuvor zuteil geworden waren:[41] Im Falle von Smyrna wird von der Errichtung eines Tempels für Roma berichtet. Dies lässt auch auf die Einrichtung eines Kultes mit eigenem Priester schließen, denn der teuerste Teil eines Kultes, der Tempel, dürfte das letzte Element gewesen sein, welches man dem Kult hinzufügte. Im Falle von Chios ist von Opferungen, Prozessionen und Spielen die Rede. Mellor führt darüber hinaus noch die Errichtung von heiligen Bezirken mit Altären und die Benennung von Monaten nach der Göttin an.[42] Eine größtenteils erhalten gebliebene Inschrift aus Milet aus dem Jahr 130 v. Chr. – es handelt sich um die größte erhaltene Quelle über Opferungen im Namen Romas – berichtet, welche Ehren der Göttin dort zuteil geworden sind:[43] darunter zahlreiche Tieropfer, aufs Genauste geregelt. Ferner wird von der Bestellung eines Priester und von gymnischen Agonen mit Fackelrennen und anderen athletischen Spielen berichtet. Außerdem scheint zur Entstehungszeit der Inschrift gerade ein Roma-Tempel in Bau gewesen zu sein. Die Waffen, heißt es dort, welche in den Spielen als Preise ausgesetzt wurden, sollten zunächst im Gymnasium niedergelegt werden, but eventually, when the temple of Roma has been completed, in the Romaion, d. h. im heiligen Bezirk des Tempels. Von der Errichtung von Roma-Tempeln ist gerade in literarischen Quellen des Öfteren die Rede. Livius (59 v. Chr. – 17 n. Chr.) berichtet sowohl von der Errichtung eines Tempels als auch von der Stiftung von Spielen, sogenannten Rhomaia, in Alabanda.[44] Für die Rhomaia dienten als Vorbild v. a. die früheren Heroenkulte. Diese Spiele zu Ehren Romas lassen sich in der ganzen griechischen Welt nachweisen, die ersten bereits im frühen 2. Jhr. v. Chr. für Athen und Rhodos[45], und beinhalteten nicht nur hippische, gymnische und musische Agone, sondern auch Prozessionen und Opfer. Diese Spiele für die Göttin müssen sehr weit verbreitet gewesen sein und lassen sich bis in das 3. und 4. nachchristliche Jhr. belegen.[46] Schließlich sei noch erwähnte, dass Polybius (ca. 200–120) von der Errichtung einer Kolossalstatue der Roma auf Rhodos im Tempel der Athena berichtet.[47]

An den gerade erwähnten Quellbefunden fällt wie an den bereits weiter oben besprochenen auf, dass Roma immer in engem Zusammenhang mit der Stadt Rom und/oder dem römischen Volk gehuldigt wurde. In der bereist zitierten Inschrift aus Milet heißt es mehrfach, dass die Ehren sowohl für das römische Volk als auch für Roma (to the Roman people and to Roma) gespendet werden. Einmal werden gar die Römer (the Romans) selbst apostrophiert. Die Errichtung der Kolossalstatue der Roma auf Rhodos wird bei Polybius im Zusammenhang mit einer Gesandtschaft nach Rom erwähnt. Und Livius weist nicht nur auf die Stiftung von Rhomaia hin, sondern auch darauf, dass Bewohner von Alabanda nach Rom gekommen seien, um dort Votivgaben am Tempel des Jupiter Optimus Maximus auf dem Kapitol niederzulegen.[48] So kann man, denke ich, trotz der geäußerten Bedenken über die scharfe Trennung der beiden Sphären Politik und Religion davon sprechen, dass eine wesentliche Parallele von Herrscher- und Heroenkulten und den neueren Roma-Kulten die politische Bedeutung und Motivation ist. Denn es fällt durchweg auf, dass sich die Roma-Kulte in dem Maße verbreiteten, in dem die Römer an politischem und militärischem Einfluss in der griechischen Welt gewannen. Die größere Verbreitung im Gegensatz zu den alten Herrscherkulten, sei, so Price, einer größeren Präsenz römischer Regierungsbeamter geschuldet.[49] Schließlich sei noch erwähnt, dass Roma Beinamen erhielt, die zwar als gewöhnlich bezeichnet werden könnten, aber typischerweise auch Königen beigelegt worden seien. Dies, so Mellor, belege ihre Abkunft von den Herrscherkulten.[50]

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[41] Vgl. Mellor 1981: S. 958.

[42] Vgl. ebd.: S. 960 u. 965.

[43] Englische Übersetzung der kompletten Inschrift in Beard 1998: S. 246–7, i. e. Quelle 10.3a.

[44] Liv. 43,6,5–6.

[45] Vgl. Richter 1977: Sp. 131.

[46] Vgl. Price 2001: Sp. 1002–3 u. Mellor 1981: S. 967.

[47] Vgl. Pol. 31,4.

[48] Mellor 1978: S. 322 weist nachdrücklich darauf hin, dass diese Widmungen aufs Engste mit politisch-militärischem Geschehen in der griechischen Welt verbunden waren. Vgl. zu den Widmungen auch Richter 1977: Sp. 132.

[49] Vgl. Price 1984: S. 44.

[50] Vgl. Mellor 1981: S. 968.

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