TextTexturen

Zum Inhaltsanfang springen

Navigation

Wegweiser

Seiten

1  2  3  4  5  6  7  |8|  9  10  11

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Herrscher- und Heroenkulte in der griechischen Welt
  3. 3 Die Entstehung des Roma-Kultes in der griechischen Welt
  4. 4 Roma und Augustus
  5. 5 Schlussbemerkung
  6. 6 Literaturverzeichnis
    1. 6.1 Quellen
    2. 6.2 Darstellungen
  7. 7 Bildnachweis

[30. April 2005]

4 Roma und Augustus

Wie bereits in Kap. 3 am Beispiel von Flamininus gezeigt, erhielten auch römische Magistrate kultische Ehren im griechischen Osten. Cicero stellt es so dar, als hätte er Mühe gehabt diese Ehren abzulehnen. Pompejus hat, den Quellen zufolge, tatsächlich welche erhalten. In Mytilene wurde ein Monat nach ihm benannt, auf Delos wurde ein Priesteramt für ihn (Pompeiastai) eingerichtet, auf Samos und in Mytilene erhielt er den Beinamen soter und schließlich berichtet Appian von der Errichtung eines Tempels.[51]

Auch der militärisch im Osten erfolgreich agierende Oktavian, der spätere Augustus (63 v. Chr. – 14 n. Chr.), erhielt im griechischen Osten nach der Schlacht bei Aktium (31 v. Chr.) und der Einnahme Alexandrias (30 v. Chr.) Kulte. Diese Gewährung kann auch als Anerkennung seiner Macht resp. göttlichen Wirkenskraft verstanden werden, die sich in der entscheidenden Schlacht von Aktium und der Eroberung Alexandrias gegenüber seinen Gegner als überlegen manifestierte. Oktavian ließ die Gründung von Heiligtümern für ihn zu, wohl auch deswegen, weil er den vorhergehenden Krieg begleitet von einer massiv antiorientalischen Propaganda geführt hatte.[52] Die Kulte für ihn lassen sich somit durchaus als Versuch verstehen, die nunmehr neu in seinem Herrschaftsbereich liegenden Reichsteile einzubinden. Denn es ist schon bezeichnend, dass er die Verehrung seiner Person nur Nicht-Römern zugestand. Römer durften, wie Cassius Dio (155 bis nach 229) feststellt, nur Roma und seinem (Adoptiv-)Vater Cäsar (100–44) Heiligtümer errichten.[53] Oktavian legte fest, dass für die einzelnen Provinzen zentrale Heiligtümer gegründet werden sollten: für Bithynien in Nikomedeia und für Asien in Pergamon.[54] Er scheint diese Ehren für ihn von Anfang an eng mit den Ehren für Roma verbunden zu haben, die ja, wie oben erläutert (vgl. Kap. 3), das ganze römische Volk und dessen Macht adressierte.[55] Sueton (ca. 70–140) weist des Weiteren darauf hin, dass Oktavian seine Verehrung in Rom zurückgewiesen habe.[56] Die Verehrung von Roma wurde tatsächlich erst unter Hadrian (römischer Kaiser 117–138) in der Hauptstadt des Reiches institutionalisiert, und dann zusammen mit Venus.[57]

Oktavian hat Pergamon als Ort für die Errichtung des Tempels für Roma und ihn allerdings nicht nur aus religiösen Gründen berücksichtigt. Da Pergamon der Sitz für das Koinon in Asien war, dürfte sein Dekret auch als politischer Schritt zur Festigung seiner Macht verstanden werden. Denn erst so konnte Pergamon sowohl zum religiösen als auch politischen Zentrum in Kleinasien werden.[58] Die Römer, folgert Manfred Clauss aus den Tempelerrichtung für Augustus, dokumentierten dabei ihre Beziehung zu dem Gott-Kaiser ebenso wie die einheimische Bevölkerung.[59] Und diese Beziehung war eine, welche die göttliche Macht Oktavians anerkannte, die sich wiederum in seiner militärischen Überlegenheit offenbarte[60]. Der Roma-und-Augustus-Kult in Pergamon hatte lange Zeit Bestand. Für die Jahre 117–138 ist eine Inschrift überliefert, die Opferhandlungen für Roma und Augustus belegt.[61] Vor allem von Geld- und Speisespenden ist dort die Rede, aber auch Wein wird erwähnt, was wohl auf Libationen schließen lässt. Roma und Augustus werden direkt als Götter (the gods) bezeichnet. Zusätzlich zu den Sachspenden wurden Hymnen gesungen.

|8|

Tags: , , , , , , , , ,

[51] Vgl. Beard 1999: S. 147.

[52] Vgl. Mellor 1981: S. 977.

[53] Vgl. Cass. Dio 51,20,6. Taeger 1960: S. 137 deutet das Verhalten des Augustus gegenüber ihm zuerkannten Ehren als tendenziell zurückhaltend. Das glaube ich anhand der Quellenbefunde kaum. Eine so große Verbreitung seiner Kulte hätte es ohne eine substantielle Zustimmung von ihm nicht gegeben. Vielleicht empfand er sie gar als normal (vgl. Clauss 1999: S. 54–5).

[54] Vgl. Cass. Dio 51,20,7.

[55] Vgl. Suet. Aug. 52.

[56] Tacitus (ann. 1,10: Keinerlei Ehrungen seien Göttern vorbehalten, da er <Augustus> durch Tempel und Götterbilder, durch Flamines und Priester verehrt werden wollte.) widerspricht dieser Ansicht. Clauss 1999: S. 56–7 vertraut eher auf die Aussagen Tacitus’ denn auf Sueton.

[57] Vgl. Mellor 1981: S. 997, 1018–21 u. Beard 1999: S. 259.

[58] Vgl. Mellor 1981: S. 978–9.

[59] Clauss 1999: S. 64.

[60] Nicht umsonst wurde Oktavian auf Münzen, die die Götterbilder von Roma und Augustus darstellen, mit Feldherrenmantel, Panzer und Lanze dargestellt (vgl. Clauss 1999: S. 64–5; bei Clauss ist eine entsprechende Münze abgebildet).

[61] Englische Übersetzung der Inschrift (in Auszügen) in Beard 1998: S. 255–6, i. e. Quelle 10.5b.

© 2002–2008, Nico Dorn (Nutzungsbedingungen) Letzte Änderung dieser Seite: 14. Dezember 2012

Zum Seitenanfang springen