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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Herrscher- und Heroenkulte in der griechischen Welt
  3. 3 Die Entstehung des Roma-Kultes in der griechischen Welt
  4. 4 Roma und Augustus
  5. 5 Schlussbemerkung
  6. 6 Literaturverzeichnis
    1. 6.1 Quellen
    2. 6.2 Darstellungen
  7. 7 Bildnachweis

[30. April 2005]

Als Folge der Zugeständnisse Oktavians im Osten kam es zu einer weitreichenden Verbreitung seines Herrscherkultes – jedoch immer nur in Verbindung mit Roma.[62] Evtl. ist Oktavian als Objekt der Verehrung nur zu bereits bestehenden Roma-Tempeln, die ja bereist seit über 150 Jahren bestanden, neu hinzugetreten. Die Bestimmung, dass Augustus nur zusammen mit Roma verehrt werden dürfe, hat sich später im Westen des Reiches fortgesetzt.[63] Wurden hier Provinzialkulte installiert, so immer in Verbindung mit Roma. Ein wesentlicher Unterschied der Kulte im Westen zu denen des Ostens war allerdings, dass sie nicht spontan in den jeweiligen Städten entstanden. Ihre Errichtung wurde vielmehr zentral von Rom aus gesteuert, auch, weil es im Westen keine lokalen Organisationen gab, die die Verehrung von Augustus und Roma per decretum einführen konnten.[64] Vielleicht steht hinter dieser zentralen Steuerung die Absicht, die Verehrung des Herrschers und der Roma zu einem das ganze Reich verbindenden Symbol zu machen. Denn so gab es im Westen wie im Osten ein einheitliches Götterensemble, dass von der gesamten Bevölkerung verehrt wurde – ein sichtbares Zeichen der Loyalität zum Herrscher.[65] Einer dieser Provinzialkulte im Westen des Reiches wurde 12 resp. 10 v. Chr. in Lugdunum errichtet.[66] Dieser Kult entstand evtl. über einen bereits bestehenden keltischen für die Gottheit Lug. Roma wird in ihm zwar nicht gesondert erwähnt, allerdings taucht ihr Name in einer Inschrift auf, in der die Bezeichnung für den zuständigen Priester festgehalten wurde:

Priester der Roma und des Aug(ustus) für den Altar am Zusammenfluss von Rhône und Saône[67].

Der Kult von Lugdunum war für die ganze Provinz zentral. Es gab ein jährliches concilium, das von Spielen mit rhetorischen Wettkämpfen begleitet war, in denen die Verlierer erniedrigende Strafen erdulden mussten, wie Sueton berichtet.[68] Ferner war auch dieser Kultort – wie Pergamon – zugleich politisches Zentrum, nämlich Ort einer Repräsentativversammlung von Delegierten aus verschiedenen civitates der Provinzen Lugdunensis, Aquitania und Belgica.[69] Vorsitzender dieser Versammlung war der Hohepriester des Kultes, was die enge Verbindung von religiöser und politischer Aufgabe, die der Altarstiftung in Lugdunum zukam, unterstreicht.

Summa summarum lässt sich feststellen, dass auch für die Ergänzung des Roma-Kultes um die Person des Augustus die politische Entwicklung im griechischen Osten ausschlaggebend war. Erst nachdem Oktavian sich militärisch durchgesetzt hatte, kam es zu Angeboten, ihm kultische Ehren zu bezeugen. Dass Augustus dann später die Errichtung weiterer Kulte im Westen zentral steuerte, dürfte vornehmlich politische Gründe gehabt haben. Mellor geht davon aus, dass sich mit der Adaption der Göttin durch Augustus auch ihr Charakter geändert habe.[70] Die Identifikation mit dem römischen Volk sei gelockert worden zugunsten einer mit dem Kaiser.[71]

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[62] Clauss 1999: S. 65–6 zweifelt daran, Augustus sei immer nur in Verbindung mit Roma verehrt worden.

[63] Vgl. Mellor 1981: S. 983.

[64] Vgl. ebd.

[65] So Fishwick 1978: S. 1209–10. Beard, North und Price gehen allerdings davon aus, dass es bedeutendere Formen zur Stiftung von Einheit gegeben habe. Die Verehrung des Augustus sei als eher sekundär zu betrachten (vgl. Beard 1999: S. 318). Ferner habe es im Feld der Religion auch Momente der Despotie gegeben (vgl. ebd.: S. 347).

[66] Vgl. Liv. 139. Die Datierung diskutiert Mellor 1981: S. 986; vgl. auch Fishwick 1978: S. 1204, der für 12 v. Chr. plädiert.

[67] sacerdos romae et avg(vsti) ad aram ad conflventes araris et rhodani (CIL XIII,1674). Die Titel der Priester differieren auf verschiedenen Inschriften, wie Clauss 1999: S. 397–8 feststellt. Die Zusammenstellung roma et avgvstvs findet sich ebenfalls auf zahlreichen Münzen.

[68] Vgl. Suet. Cal. 20.

[69] Vgl. Fishwick 1978: S. 1204.

[70] Anders Clauss: Roma bezeichnet in dieser Verbindung [mit Augustus] die Personifikation des römischen Volkes. (Clauss 1999: S. 65)

[71] Vgl. Mellor 1981: S. 1027.

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