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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Die Methoden und ihre Eigenschaften
    1. 2.1 Die Grammatik-Übersetzungs-Methode
    2. 2.2 Die direkte Methode
    3. 2.3 Die audiolinguale/audiovisuelle Methode
    4. 2.4 Die vermittelnde Methode
    5. 2.5 Die kommunikative Methode
  3. 3 Schlussbemerkung
  4. 4 Literaturverzeichnis

[4. Januar 2005]

2.5 Die kommunikative Methode

In der kommunikativen Methode[26] fungiert die Fremdsprache nicht mehr als Mittel zum Zweck der geistigen Bildung, sondern als Kommunikationsmittel. Gerade weil Kommunikation initiiert werden soll, rückt der Lerner ins Zentrum des Unterrichtsgeschehens. Im Gegensatz zur audiolingualen Methode, in der, wie oben beschrieben, ja auch Kommunikation im Mittelpunkt des Interesses stand, versucht der kommunikativ-pragmatische Methodikansatz Kommunikation nicht durch formelhaft rigide Übungen von vorgegebenen Mustern, sondern durch Aktivierung einer eigenständigen Kommunikation des Lerners zu vermitteln. Ausgegangen werden soll in diesem Ansatz nicht von abstrakten Curricula und den Absichten der Lehrer (in der Grammatik-Übersetzungs-Methode bestand diese Lehrerabsicht beispielsweise darin, Hochkultur zu lehren). Die Lernenden selbst sollen von den Lerninhalten betroffen sein, es soll ihnen die Möglichkeit eröffnet werden, sich persönlich im Unterrichtsgespräch wiederzufinden.

Zu dieser Betroffenheit gehört auch eine Berücksichtigung der Umgebungsvariablen der jeweiligen Lernergruppen. Es wird nun versucht lerngruppenspezifische Faktoren, die das Fremdsprachenlernen beeinflussen (Alter, Geschlecht, Einbezug der eigenen soziokulturellen muttersprachlichen Vorprägung, Eingehen auf Vorwissen und Erfahrung etc.)[27], mit zu berücksichtigen.

Die linguistische Teildisziplin der Pragmalinguistik, die sich in den 70er-Jahren herausbildete, wirkte für dieses didaktische Konzept befruchtend. Dort wird Sprache nämlich als Form des Handelns verstanden. Sprachliche Handlungsakte aber können glücken oder nicht. Auf den Fremdsprachenunterricht übertragen bedeutet dies, dass eine Lerneräußerung auch glücken oder nicht glücken kann. Da aber glückende Kommunikation nicht von grammatischen Regularitäten abhängt, sondern davon, bei seinem Kommunikationspartner Verstehen zu erreichen, muss die Behandlung von Grammatik im Unterricht eine andere als in der Grammatik-Übersetzungs-Methode sein. Im Zentrum steht nicht mehr der fehlerfreie Satz, sondern die Verstehensleistung und die Fähigkeit unter gegebenen Kommunikationsanlässen, sprachlich angemessen handeln zu können.

Das Konzept der sprachlichen Konditionierung wurde nur noch in den Festigungsphasen[28] akzeptiert. So nahm man auch von der Idee Abstand, die der audiolingualen Methode zugrunde lag, Sprache zu erwerben, erfordere, Verhalten zu trainieren. Ebenfalls zu Grabe getragen wurde das Verständnis von Progression, wie es noch in der audiolingualen Methode vorherrschte. Sollte in dieser dem Schüler nur das sprachliche Material präsentiert werden, das für seinen Kenntnisstand von der Fremdsprache zugänglich war, hielten nun auch Verstehenstexte Einzug: Texte, die nicht en détail übersetzt, sondern nur global begriffen werden mussten. Die Progression in der kommunikativen Didaktik kann als zyklische verstanden werden: sprachliche Äußerungsmittel werden wiederholt aufgegriffen, wobei der Schwierigkeitsgrad zunimmt. Ein Beispiel von Neuner und Hunfeld:

- Ich möchte bitte (einen Anzug).
- Zeigen sie mir bitte (Anzüge).
[…]
- Würden Sie mir bitte (Anzüge) zeigen?
- Wären Sie bitte so freundlich und würden mir (Anzüge) zeigen?![29]

Alle Äußerungen erfüllen dieselbe Funktion, weisen jedoch einen unterschiedlichen Grad an Komplexität auf. Die letzte zitierte Äußerung würde selbst ein durchschnittlicher nativer Deutschsprecher so kaum bilden – sie ist schon wieder eher unpraktisch.

Die zyklische Progression der kommunikativen Methode verweist ferner auf ein anderes Verständnis von Grammatik. So betont Heyd, dass zwischen einer Verstehens- und einer Mitteilungsgrammatik unterschieden werde.[30] Dieses Vorgehen berücksichtigt, dass jeder Mensch mehr an sprachlichen Strukturen begreifen, als selbsttätig bilden kann.

Mit dem Abrücken von fest geformten Ansicht über den Lerner, entfernte man sich zugleich von einer fest geformten Methodik. Flexibilität im Sinne von Anpassung an den Schüler stand im Vordergrund. In diesem Zusammenhang ist es vielleicht auch verständlich, dass die kommunikative Methode häufig zur Abgrenzung nicht etwa Methode, sondern Didaktik genannt wird. Das Verständnis des Schülers und des Unterrichts erscheint tatsächlich viel weniger determiniert; aufgebaut wird auf einem globalem Grundkonsens der Flexibilität, Anpassungsfähigkeit des Unterrichts. Dieser Ansatz ist derjenige, der mit meinem in der Einleitung erläuterten Verständnis von Methodik am besten übereinstimmt. Denn hier geht es tatsächlich mehr um das Wie – Kommunikationstraining in Partnerarbeit – als um das Was – Ausrichtung an einem Hochkulturschema, der Umgangssprache usw. Das Was, die konkreten Inhalte können je nach Lernergruppe wechseln: Literaturinteressierte werden allmählich an literarische Texte herangeführt und solche Lerner, die vor allem auf einer Auslandsreise kommunizieren wollen, werden vor allem in kommunikativen Fertigkeiten geschult. Gleichwohl ist hier auch Vorsicht geboten. Der Schwerpunkt des Unterrichts sollte nicht so weit verschoben werden, dass man sich letzen Endes wie die vorhergehenden Methodiken nur auf einen Teil der vier Fertigkeiten beschränkt. Man kann es nicht oft genug sagen: Das Unterrichten aller Fertigkeiten im Verbund ermöglicht erst ein optimales Fremdsprachenlernen.

 

Zum Schluss möchte ich noch einmal deutlich machen, dass die hier vorgestellten Methoden sich nicht ablösten wie Perlen an einer Kette. Es lassen sich zwar grobe Zeiten dafür angeben, wann welche Methoden bevorzugt wurden, doch kam es in der Praxis gewiss oft zu Methodenmischungen. Habe ich auch die bedeutendsten Ansätze aufgeführt, so gibt es noch andere, auf die zumindest hingewiesen werden soll. Der interkulturelle Ansatz[31] sieht es als seine wichtigste Aufgabe an, dass die Lerner mit dem Sprachenlernen auch auf eine fremde Kultur vorbereitet werden müssen. Sich in einer anderen Kultur bewegen zu können, heißt aus dieser Sicht nicht nur, die Sprache von ihr zu verstehen, sondern auch Sitten und Gebräuche kennen zu lernen. Außerdem gibt es mannigfache alternative Methoden, die sich nicht grundsätzlich den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit gefallen lassen müssen.[32]

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