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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung: Das Problem
  2. 2 Fachwissenschaftliche Betrachtung
  3. 3 Didaktische Betrachtung
  4. 4 Lehrwerk-Betrachtung
  5. 5 Schlussbemerkung: Die Lösung?
  6. 6 Literaturverzeichnis
    1. 6.1 Quellen
    2. 6.2 Lehrwerke
    3. 6.3 Darstellungen

[15. Februar 2004]

3 Didaktische Betrachtung

Inwiefern das Stellungsfeldermodell in der Lehre tatsächlich verwendet wird, wird sich bei der Betrachtung der Lehrwerke in Kap. 4 erweisen. Zum Nutzen, den dieses Modell im Fremdsprachenunterricht haben könnte, schreibt Christa Dürscheid:

Die Untergliederung des Satzes in Stellungsfelder ermöglicht es, Wortstellungsregularitäten präziser zu formulieren und für jeden Verbstellungstyp die normalen von den abweichenden Felderbesetzungen zu erfassen. Nicht von ungefähr wird in Lehrbüchern für Deutsch als Fremdsprache (DaF) gerne auf dieses Modell zurückgegriffen[23].

So wie die Valenzgrammatik ein treffliches Mittel zum Verdeutlichen der Abhängigkeiten der einzelnen Satzglieder vom Prädikat ist, ermöglicht es die Stellungsfeldertheorie, die Stellung der einzelnen Konstituenten dem Fremdsprachenlerner zu verdeutlichen. Dieses sei durch ein Beispiel illustriert:

(1) Warum kommt Herr Meyer grundsätzlich zu spät zur Arbeit?
(2) Er will halt sein Frühstücksei gemütlich aufessen.

Mit Hilfe eines Valenzstemmas lassen sich die Bezüge und Aufgaben der Konstituenten des Satzes (2) aufzeigen, um nachher als Grundlage für das Generieren des Satzes zur Verfügung zu stehen:

[Valenzstemma: Er will halt sein Frühstücksei gemütlich aufessen.]

Doch bietet es keine Regeln zur Linearisierung der Konstituenten. Ferner lässt sich die verstärkende expletive Gesprächspartikel halt in dieses Konzept nicht einordnen, da ihm keine syntaktische Bedeutung zugeordnet werden kann. Aber die Valenzsyntax erlaubt – wie gesagt – einen Einblick in die Aufgaben, welche den einzelnen Satzgliedern zugeordnet sind; und das kann für das Stellungsfeldermodell nutzbar gemacht werden. Lutz Götze meinte wohl gerade dies, wenn er die Ansicht äußert, dass die Valenztheorie bei schwierigen Detailproblemen der Satzgliedstellung[24] helfen könne.

Die Erkenntnisse aus der Valenzsyntax mit den entsprechenden Regelkenntnissen des Stellungsfeldermodells erlauben es, einen linearen Satz wie folgt zu bilden:

(1) Der Satz besteht aus einem komplexen Prädikat, das somit eine Klammer bildet, die die drei Wortstellungsfelder eröffnet:

[Vorfeld] will [Mittelfeld] essen [Nachfeld].

(2) Im Vorfeld kann hier sowohl das Akkusativobjekt als auch das Subjekt stehen, aber nur ein Element:

a) Er will [Mittelfeld] essen [Nachfeld].
b) Sein Frühstücksei will [Mittelfeld] essen [Nachfeld].

(3) Das verbleibende Objekt respektive Subjekt rückt nun ins Mittelfeld, da im Vorfeld kein Platz mehr ist:

a) Er will sein Frühstücksei essen [Nachfeld].
b) Sein Frühstücksei will er essen [Nachfeld].

(4) Gesprächspartikeln stehen tendenziell am Anfang des Mittelfeldes, aber hinter dem Subjekt:

a) Er will wohl sein Frühstücksei essen [Nachfeld].
b) Sein Frühstücksei will er wohl essen [Nachfeld].

(5) Modale Adverbialbestimmungen stehen im Mittelfeld vor dem Objekt; das Subjekt aber steht, wenn es in das Mittelfeld rückte, am Anfang des Feldes:

a) Er will wohl gemütlich sein Frühstücksei essen [Nachfeld].
b) Sein Frühstücksei will er wohl gemütlich essen [Nachfeld].

(6) Der Vollständigkeit halber gelte noch: Da keine syndetisch gehäuften oder besonders langen Satzelemente vorhanden sind und des Weiteren alle Satzelemente einer Position zugeordnet wurden, bleibt das Nachfeld leer:

a) Er will wohl gemütlich sein Frühstücksei essen.
b) Sein Frühstücksei will er wohl gemütlich essen.

Ich denke, dass ich mit Hilfe dieser etwas langatmigen Beschreibung der Linearisierung eines Beispielsatzes deutlich gemacht habe, wie das in Kap. 2 beschriebene Stellungsfeldermodell mit Hilfe der sich aus ihm ergebenden Regeln dazu beitragen kann, einen normkonformen Satz zu konstruieren. Selbstredend könnte ein Fremdsprachenlerner kaum in der fremden Sprache kommunizieren, wenn er permanent dieses komplizierte Regelwerk mit sich herumschleppen müsste. Doch bietet es die Möglichkeit, die eigene Sprachproduktion zu validieren. Das selbsttätige Validieren wiederum kann für die verbreitete Forderung in modernen didaktischen Ansätzen nutzbar gemacht werden, die der Eigenverantwortung des Lerners zunehmend mehr Raum eröffnen möchten. Die Verlagerung der Verantwortung wird im Allgemeinen mit dem Begriff Lernerautonomie benannt. Die Konzeption der Lernerautonomie darf nicht missverstanden werden als Gleichsetzung mit einer Abschaffung des Lehrers. Günther Storch sieht den Begriff darauf abzielen,

die Steuerung des Lernprozesses stärker vom Lehrer auf den Lernenden zu verlagern und diesem auch mehr Verantwortlichkeit für den Lernprozess aufzuerlegen. Angestrebt ist der selbständige Lerner, der im Rahmen des Unterrichts durch eine erhöhte Selbststeuerung und Eigenverantwortlichkeit, Reflexion und Kontrolle seine passive Rolle aufgibt und zum aktiven Mitgestalter des Lernprozesses wird.[25]

In diesem Sinne kann das Stellungsfeldermodell als Bewältigungsstrategie angesehen werden, da der Lernende, nachdem er die Regeln für die Stellung der einzelnen Elemente sukzessive im Zuge der Progression des Unterrichts erfahren hat, seine Textproduktion durch ihre Anwendung evaluieren kann.

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