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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung: Das Problem
  2. 2 Fachwissenschaftliche Betrachtung
  3. 3 Didaktische Betrachtung
  4. 4 Lehrwerk-Betrachtung
  5. 5 Schlussbemerkung: Die Lösung?
  6. 6 Literaturverzeichnis
    1. 6.1 Quellen
    2. 6.2 Lehrwerke
    3. 6.3 Darstellungen

[15. Februar 2004]

4 Lehrwerk-Betrachtung

Im Folgenden sollen drei Lehrwerke für Deutsch als Fremdsprache für britische Schüler dahingehend betrachtet werden, wann in ihrer Progression die Satzklammer zum ersten Mal vollständig sichtbar und wie das Problem in ihnen gehandhabt wird.

In Anstoß GCSE, einem Deutschbuch für Schüler der zehnten und elften Klasse, taucht die erste Satzklammer bereits in der Überschrift zum ersten Kapitel auf: Wir stellen uns vor[36]. Allerdings fußt dieses Buch auch auf Vorkenntnissen, die in vorhergehenden Deutschkursen bereits erworben wurden. Dessen ungeachtet werden alle grammatischen Probleme ebenso wie die Aussprache des Deutschen von Grund auf behandelt. Schriftliche und mündliche Übungen stehen im Zentrum des Buches, Grammatik wird immer nur im Zusammenhang mit Übungen präsentiert und nimmt einen bei weitem geringeren Anteil als die produktiven Teile ein. Da grammatische Prinzipien erst nach ausführlicher Behandlung in Texten und Übungen erläutert werden, kann gesagt werden, dass der Ansatz des Buches den Forderungen vieler Didaktiker, Grammatik müsse induktiv gelehrt werden, folgt.

In Kapitel 2 auf Seite 25 werden die Modalverben eingeführt. Den Großteil der Erläuterungen nimmt die Konjugation aller sechs Verben im Präsens und deren englische Grundbedeutung ein. Es folgt diese Erklärung:

Modal verbs usually link to another verb in the sentence. This second verb is in the infinitive and usually stands at the end of the sentence, e. g. Pia soll auf die Geschwister aufpassen. Ihr Bruder will Fußball spielen.[37]

Im Anschluss stehen einige Übungen, wobei in den Übungen I-1 bis I-4 die Strukturen eingeschliffen werden sollen. Es werden Muster vorgegeben, nach denen der Lerner dann zu antworten hat. Ein Beispiel: Was kann man hier machen? (Tennis spielen) / Man kann Tennis spielen.[38] In den letzten Übungen wird dem Schüler die Freiheit gelassen auf eine Frage wie: Was willst du heute Abend machen?[39], nach Gusto zu antworten.[40]

Die für die Übungen benötigten Vokabeln wurden auf den beiden Seiten vor dem Grammatikteil in Hör- und Textproduktionsübungen reaktiviert, sodass der Schüler sich voll auf die neuen Grammatikerscheinungen konzentrieren kann. Auf den nachfolgenden Seiten werden die Übungen und Textbeispiele nicht mehr direkt unter der Festigung von neuen Grammatikkenntnissen betrachtet, doch ist bis Seite 28 der Schwerpunkt eindeutig auf die Modalverben gelegt, wenngleich die Äußerungsinhalte noch freier als in den vorhergehenden Übungen ausgestaltet werden können.

Auf Seite 50 werden trennbare Verben behandelt, wobei auffällt, dass auf ähnliche Strukturen im Englischen hingewiesen und somit bei der Einführung kontrastiv verfahren wird:

In English we have similar verbs: / e. g. She goes out with her friends at the weekend. (to go out)[41].

Danach wird auf die im Deutschen besondere Satzendstellung des abtrennbaren Präfixes hingewiesen und es folgen erneut Übungen. Was ich an dieser Stelle vermisse ist eine Faustregel, wann Präfixe abgetrennt werden und wann nicht. Die Regel, dass betonte Präfixe abgetrennt und unbetonte mit dem Wort verbunden bleiben, trifft nämlich in den meisten Fällen zu. Kennen die Schüler, die mit Anstoß arbeiten, das zahlreiche Hörübungen bereitstellt, diese Regel, kommt es bestimmt seltener zu Fällen, wie sie Alena Šimečková aus einem humoristischen Gedicht zitiert:

Bei Tisch halte ich mich unter
Mit Künstlern und Studenten nur,
Glückt auch verun ein Witz mitunter,
So teilt man immer glimpflich ur.[42]

Bereits zwei Seiten nach diesem Kapitel wird die Wortstellung im Deutschen erläutert, wobei die Schüler mit den wesentlichen Regeln ausgestattet werden. Als erstes wird dem Schüler klargemacht, dass das Verb im deutschen Hauptsatz grundsätzlich an zweiter Stelle stehe. Dies stimmt so natürlich nicht, wäre aber aus didaktischen Gründen als Vereinfachung zunächst akzeptabel, wenn nicht bereits der erste Satz der folgenden Seite Hilfst du zu Hause?[43] lautete. Dennoch ist die Erklärung nicht schlecht, da sie auch beinhaltet, dass jedes Element an erster Stelle stehen kann, egal aus wie vielen Wörtern es besteht und welche Aufgabe es im Satz übernimmt. Es folgen vier Regeln, die besagen, in welcher Reihenfolge die weiteren Satzelemente zu stehen haben:

(1) TMP (Time-Manner-Place): Sie gibt die Reihenfolge von Temporal-, Modal- und Lokalangaben an.
(2) DAN (Dative before Accusative with Nouns): Bezeichnet die Standardreihenfolge von Dativ- und Akkusativobjekt.
(3) PAD (Pronouns: Accusative before Dative): Bezeichnet die Standardreihenfolge von pronominalisierten Dativ- und Akkusativobjekten.
(4) PIN (Pronoun In front of Noun): Besagt, dass Pronomen vor Nomen zu stehen haben.[44]

Die Regeln sind gut, da sie die wesentlichen Probleme der Wortstellung umfassen und darüber hinaus mit leichten Beispielsätzen illustriert wurden. Allerdings fehlt mir hier eine graphische Verdeutlichung des Satzaufbaus im Deutschen. Visuell-strukturell orientierten Lernern könnte eine tabellarische Umsetzung der Regeln hilfreich zur Seite stehen und außerdem könnte so klarer werden, auf welche Elemente in welchem Satzfeld sich die Regeln beziehen.

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[36] Anstoß 2002: S. 1.

[37] Ebd.: S. 25.

[38] Ebd.

[39] Ebd.: S. 26.

[40] Somit folgt die Struktur der Grammatikübungen dem Prinzip von Horst Raabe, dass sie vom Geschlossenen zum Offenen (Raabe 2003: S. 285) angeordnet sein sollen.

[41] Anstoß 2002: S. 50.

[42] Zit. n. Šimečková 1995: S. 96, Anm. 1.

[43] Anstoß 2002: S. 53.

[44] Vgl. ebd.: S. 52.

© 2002–2008, Nico Dorn (Nutzungsbedingungen) Letzte Änderung dieser Seite: 14. Dezember 2012

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