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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Zum Begriff Intertextualität
  3. 3 Fünf Liebesgeschichten und die Liebenden von Manhattan
  4. 4 Schlussbemerkung
  5. 5 Literaturverzeichnis
    1. 5.1 Quellen
    2. 5.2 Darstellungen
    3. 5.3 Weitere, in der Arbeit nicht zitierte Titel

[26. Juli 2003]

Die Gegenzeit[30] Jans und Jennifers ist allerdings ebenso wie die von Orpheus und Eurydike rasch zu Ende. Orpheus wird zugestanden mit Eurydike in die Oberwelt zurückzukehren, doch jener folgt der von den Göttern der Unterwelt aufgestellten Regel, die besagt, er dürfe sich nach seiner Geliebten erst dann umsehen, wenn beide die Oberwelt erreicht haben, nicht. Eurydike muss ob dieses Vergehens wieder in den Hades zurückkehren.

Jan wiederum hält sich nicht an die Regeln der Gegenzeit, die offenbar nur dort gelten können, wo es wenig Erde gibt.[31] Dieser Teilsatz ist so zu verstehen, dass Erde hier metaphorisch für die Normen und Konventionen der Gesellschaft jenseits der Beziehung von Jan und Jennifer steht. Durch den nachfolgenden Satz: Hier ist Raum[32], also Raum für die den Liebenden zugehörigen Gesetze, wird die Abgrenzung zum Rest der Gesellschaft noch verstärkt. Jans Vergehen nun gegen diese virtuellen Regeln ist, dass er in einer Bar nach der Zeit fragt, womit er die Gegenzeit, also gleichsam die Entsagung jeglicher Zeit, aufkündigt, und dass er sich eine Zeitung geben lässt, was ein geistiges Sich-wieder-in-die-Gesellschaft-Begeben symbolisiert.[33]

Die Liebe von Tristan und Isolde wurde auf schicksalhafte Weise durch einen Liebestrank gestiftet. Tristan freite Isolde für seinen Freund, den König Marke, mit dem sie schließlich auch verheiratet wird. Die durch den Liebestrank entfachte Zuneigung zwischen den beiden ist jedoch so vehement, dass selbst die gesellschaftliche Konvention, die Ehebruch als schändlich ansah, sie nicht davon abhalten konnte, sie auszuleben. Bedingungslos und absolut können Tristan und Isolde ihre Liebeswünsche allerdings nur in Abgeschiedenheit von der Gesellschaft, in ihrer Minnegrotte, erfüllen. Doch fühlen sich die beiden in dieser Abgeschiedenheit nicht so wohl wie in der höfischen Gemeinschaft, was man daran sieht, dass Tristan Kurvenal, seinen Knappen, wieder an Markes Hof schickt, um in Erfahrung zu bringen, waz der maere / umbe Markes willen waere.[34] Ihnen fehlt offenkundig die für die höfische Ethik der damaligen Zeit so entscheidende êre, also gesellschaftliche Anerkennung. Und dennoch, so betont Gottfried nach deren Rückkehr an den Hof, war im Zustand der Abgeschiedenheit ihre Liebe intensiver:

sine wurden aber niemer mê
in allen ir jâren
sô heinlîch, sô s’ê wâren,
nochn gewunnen nie z’ir vröuden sît
sô guote state sô vor der zît.[35]

Auch Jan und Jennifer sondern sich von der Gesellschaft räumlich ab. Deutlich wird dies durch ihre Wanderung von der Straße über die verschiedenen Stockwerke des Hotels, bis sie sich letztlich im 57. Stock etabliert und von der Gesellschaft nahezu komplett entfernt haben.[36] Lebt in Tristan und Isolde noch der innig Wunsch, wieder in die Gesellschaft zurückkehren zu können – in die Liebesgrotte hatten sie sich schließlich auch nur zurückgezogen, weil sie in die Verbannung geschickt worden sind[37] –, so ist Jans und Jennifers Exil dementgegen ein selbst gewähltes und eines, aus dem kein Wunsch nach Rückkehr mehr besteht. Ferner gibt es im Hörspiel wohl eine Ahndung des Konventionsbruchs, also des Austritts aus dem Kanon gesellschaftlicher Normen, doch nicht durch Verbannung, sondern durch Tod. Den Ansichten des guten Gottes entsprechend, ist eine Liebe nur für die adäquat, die

das bißchen anfängliche Glut zähmten, in die Hand nahmen und ein Heilmittelunternehmen gegen die Einsamkeit draus machten, eine Kameradschaft und wirtschaftliche Interessengemeinschaft. Ein annehmbarer Status innerhalb der Gesellschaft ist geschaffen. Alles im Gleichgewicht und in der Ordnung.[38]

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