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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Herrscher- und Heroenkulte in der griechischen Welt
  3. 3 Die Entstehung des Roma-Kultes in der griechischen Welt
  4. 4 Roma und Augustus
  5. 5 Schlussbemerkung
  6. 6 Literaturverzeichnis
    1. 6.1 Quellen
    2. 6.2 Darstellungen
  7. 7 Bildnachweis

[30. April 2005]

Verbreitung und Bedeutung des Roma-Kultes zur Zeit der Römischen Republik und der Herrschaft des Augustus

Abstract
Die strikte Trennung der beiden Sphären Religion und Politik ist eine Denkfigur, die vielen Menschen in der Antike fremd war. Darum konnte es auch zu einem Phänomen wie dem Herrscherkult kommen, der ebenso politisch wie religiös gedeutet werden kann. Ein Beispiel hierfür bieten die Kulte für die Göttin Roma.

1 Einleitung

Ebenso wie bei allen anderen mythologischen Gestalten fällt es auch bei der Göttin Roma schwer, ein einheitliches Bild von ihr zu zeichnen. Dabei differieren nicht nur die Art der Verehrung, die zugeschriebenen Eigenschaften und der Herkunftsmythos der Roma, sondern auch die Intensität und das zeitliche Auftreten von Roma-Kulten in den verschiedenen Regionen der Mittelmeerwelt unter römischer Herrschaft. Ferner gilt für Roma ebenso wie für viele andere Göttergestalten, dass ihr einerseits religiöse Verehrung zuteil geworden ist. Diese fand ihren Ausdruck in verschiedenen Riten, wie z. B. Opferungen, Agonen, feierlichen Prozessionen usw. Andererseits hatte die Verehrung der Roma auch einen ganz konkreten Bezug zur diesseitigen Lebenswelt der Menschen: Das Aufkommen der Kulte für sie kann als Reaktion auf die politische und militärische Präponderanz der Römer in der griechischen Welt gesehen werden. Indem die Personifikation der Roma diese beiden Sphären der Lebenswelt antiker Menschen bediente, knüpfte ihre Verehrung direkt an die Heroen- und Herrscherkulte im östlichen Mittelmeerraum an. Sie entstand also keineswegs aus dem Nichts heraus, was ich im Folgenden belegen will. Um in das uneinheitliche Bild der Roma-Verehrung Ordnung zu bringen, bietet es sich an, eine Untersuchung der Roma-Kulte zeitlich zu staffeln, zumal ihre Ausdehnung in den Westen des Römischen Reiches dem erstmaligen Auftreten im griechischen Osten zeitlich nachgeordnet ist. Dabei werde ich mich auf die Entstehung des Kultes in der griechischen Welt und seine Transformation unter Oktavian bzw. Augustus beschränken.

[Bild der »Gemma Augustea«]

Abb. 1: Die Gemma Augustea; Roma sitzt oben in der Mitte links neben Augustus, dargestellt als Athena-Typ [Quelle]

Sind uns auch keine der Roma geweihten Tempel mehr erhalten[1], so kann man die Quellenlage dennoch nicht als schlecht bezeichnen. Es gibt zahlreiche Inschriften[2], die belegen, dass tatsächlich Kulte für die Göttin gegründet, dass ihr Priester geweiht und Tempel errichtet wurden. Aus Milet ist uns gar eine recht ausführliche Inschrift erhalten, die die Regeln für die Verehrung der Göttin sehr genau festhält.[3] An dieser Inschrift lässt sich, natürlich in Kombination mit anderen Quellen, zeigen, welche Ehren genau für sie zelebriert wurden. Ferner wird Roma in literarischen Quellen immer wieder erwähnt, wenngleich nur verstreut. Denn es gibt keinen antiken Autor, der sich ihr systematisch genährt hat.

Für die Erforschung der Göttin ist der bereits vor einem knappen Jahrhundert erschienene Artikel von Franz Richter im Ausführlichen Lexikon der griechischen und römischen Mythologie richtungweisend. Richter hat eine erstaunliche Fülle an Quellenbelegen, sowohl literarischer als auch epigraphischer und numismatischer Natur, zusammengetragen. Was sein Aufsatz nicht bietet ist eine Deutung des Phänomens. 1975 legte Ronald Mellor dann seine umfassende Monographie ΘΕΑ ΡΩΜΗ vor, die für die Erklärung des Auftretens der Roma wesentlich mehr Überlegungen bereitstellt.[4] Manfred Clauss präsentiert mit seinem Buch Kaiser und Gott eine interessante Sichtweise auf die Äußerungsformen römischer Religion, die meines Erachtens bei der Interpretation der Vergöttlichung des Augustus nicht vernachlässigt werden darf.

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[1] Vgl. Mellor 1981: S. 959–60.

[2] Vgl. Mellor 1975: S. 207–28. Mellor listet alle greifbaren Inschriften auf, die Roma betreffen.

[3] Englische Übersetzung der kompletten Inschrift in Beard 1998: S. 246–7, i. e. Quelle 10.3a.

[4] C. P. Jones (1977) schrieb zu Mellors Buch eine weitgehend positive Rezension. 1981 erschien dann für die Reihe Aufstieg und Niedergang der römischen Welt ein Beitrag Mellors, in dem er seine Forschermeinung in verkürzter Form wiedergibt.

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