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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Einleitung
  2. 2 Herrscher- und Heroenkulte in der griechischen Welt
  3. 3 Die Entstehung des Roma-Kultes in der griechischen Welt
  4. 4 Roma und Augustus
  5. 5 Schlussbemerkung
  6. 6 Literaturverzeichnis
    1. 6.1 Quellen
    2. 6.2 Darstellungen
  7. 7 Bildnachweis

[30. April 2005]

Anhand literarischer Quellen lässt sich der erste Kult für die Göttin Roma auf das Jahr 195 v. Chr. festlegen.[20] Tacitus (ca. 55 bis nach 115) berichtet in seinen Annalen davon, dass in Smyrna, an der Küste Lydiens, zur Zeit des Konsulats von M. Porcius, d. h. 195 v. Chr., von den Smyrnäern ein Tempel zu Ehren der Roma errichtet worden sei.[21] Er lässt dies die Smyrnäer im Konzert mit anderen Verdiensten, die man sich um Rom erworben habe, berichten. Kann es für sicher gelten, dass 195 v. Chr. ein Roma-Tempel in Smyrna errichtet wurde? J. A. O. Larsen meint, ja. 196 v. Chr. habe der Seleukidenkönig Antiochos III. (König 223–187) Smyrna aufgefordert, ihm Untertanentreue zu geloben, worauf die Smyrnäer ihn verspotteten. Antiochos belagerte daraufhin die Stadt, was die Smyrnäer nötigte, Rom um militärische Unterstützung zu bitten. Um Rom zum Eingreifen zu bewegen, habe man dann einen Kult zu Ehren des römischen Volkes und der römischen Macht, sprich: einen Roma-Kult, eingerichtet (was allerdings eher für unwahrscheinlich gelten kann, denn solche Kulte sind eigentlichen Folgen von Wohltaten). Die Smyrnäer hätten sich mithin, so Larsen weiter, selbst unter römischen Schutz gestellt.[22] An der Schilderung dieser ersten belegten Kulteinrichtung für Roma fällt zum einen auf, dass Roma schon zu einer Gestalt geworden war, der man göttliche Ehren, nämlich die Errichtung eines Tempels, zukommen lassen konnte. Zum anderen wurde der Tempel nicht ganz aus freien Stücken errichtet. Denn der Entscheidung, einen Roma-Kult zu etablieren, ging die militärische Bedrohung durch Antiochos III. voraus. Der Kult diente folglich dazu, den Römern zu zeigen, dass man ihnen wohlgesonnen gegenüberstehe. Denn diese waren im beginnenden 2. Jhr. v. Chr. auch schon im östlichen Mittelmeerraum eine nicht mehr zu vernachlässigende Macht. Bereits seit dem späten 3. Jhr. v. Chr. hatten die Römer militärisch im Osten des Mittelmeerraumes interveniert, die Seleukiden aus Kleinasien vertrieben und Macedonien besiegt, sodass Philipp V. (macedonischer König 221–179) auf die Hegemonie in Griechenland verzichten musste. Larsen leitet dementsprechend aus der Untersuchung früher Kulte für Roma die Schlussfolgerung ab: These cults of Roma all had in common that they served as instruments for appealing to Rome to assume the protection of the state[23].

Kann man demnach schlussfolgern, die Errichtung der ersten Roma-Kulte im griechischen Osten hätte allein eine politische Funktion gehabt? Tatsächlich fällt auf, dass Ehren für die Stadt Rom und das römische Volk in der Personifikation der Roma eng mit der zunehmenden Einflussnahme Roms und dem rapiden Machtverslust der ehemaligen regionalen Mächte zusammenhängt. Simon R. F. Price nennt das Beispiel der Insel Chios, die den Römern im Krieg gegen Antiochos III. als Hafenbasis diente. Nachdem Rom Antiochos besiegt hatte (Friede von Apameia 188 v. Chr.), befreiten die Römer Chios von Tributen. Ferner gewann Chios Land zu seinem Herrschaftsbereich hinzu. Als Folge dieser Vergünstigungen wurden für Roma Opferungen, eine Prozession und Spiele abgehalten, gleichsam als Dankbarkeitsbezeigung für das Erscheinen (epiphaneia) der Römer. Allerdings habe es nicht nur Ehren für Roma, sondern auch für das römische Volk und die römischen Wohltäter direkt gegeben.[24] Es scheint, als habe man noch betonen müssen, dass die Kulte für Roma Kulte waren, die das ganze römische Volk und dessen unüberwindliche Macht huldigen sollten. Da der Kult für Roma offensichtlich noch relativ jung war, hielt man es evtl. für nötig, zu betonen, dass er das römische Volk mit einschloss.

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[20] Wann exakt es die ersten Kulte für Roma im griechischen Osten gab, lässt sich nicht mehr mit Gewissheit sagen. Mellor 1981: S. 962 u. 974–5 sieht die Datierung aus dem Jahre 195 v. Chr. als einzig zuverlässige an. Gleichwohl gebe es Münzbefunde, die evtl. eine Datierung in das späte 3. Jhr. v. Chr. zuließen. Michael H. Crawford datiert das erste Auftauchen eines Roma-Kopfes auf Münzen in die Zeit der Kriege Roms mit Tarent (282–272 v. Chr.; vgl. Crawford 1974: S. 724–5). Ich denke, dass eine Datierung um die Wende zum 2. Jhr. angemessen ist, zumal sich in dieser Zeit die Befunde verdichten. Eine exakte Datierung verbietet sich schon deswegen, weil die überlieferten Berichte meist erst viel später entstanden. Dies gilt besonders für literarische Quellen: Der früheste Beleg eines Roma-Kultes, nämlich dessen in Smyrna, wurde erst über 250 Jahre später aufgezeichnet.

[21] Vgl. Tac. ann. 4,56.

[22] Vgl. Larsen 1966: S. 1636–8.

[23] Ebd.: S. 1643; vgl. auch Mellor 1981: S. 958. Diese These muss allerdings als umstritten gelten.

[24] Vgl. Price 1984: S. 41–2.

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