
[4. Januar 2005]
Abstract
Die Arbeit bietet einen Überblick, worin sich die bedeutendsten Unterrichtsmethoden im deutschen Fremdsprachenunterricht voneinander unterscheiden. Behandelt werden v. a. die Grammatik-Übersetzungs-Methode, die direkte Methode, die audiolinguale/audiovisuelle Methode, die vermittelnde Methode und die kommunikative Methode.
In der Geschichte des Fremdsprachenunterrichts fanden durch die Zeiten immer wieder verschiedenste Methodiken Verwendung. Im Unterricht für Deutsch als Fremdsprache ist dies nie anders gewesen. Zu den Gründen für die Veränderungen innerhalb der Methodiken des DaF zählen sowohl neue wissenschaftliche Erkenntnisse (beispielsweise der Behaviorismus[1]) als auch gesellschaftlich-soziologische Veränderungen (beispielsweise die Industrialisierung im Deutschland des 19. Jahrhunderts, in deren Folge andere Forderungen an den Fremdsprachenunterricht aufkamen[2]). So werden neue wissenschaftliche Konzepte und veränderte gesellschaftliche Ansprüche an die Kenntnisse einer Fremdsprache mit der Zeit in den Fremdsprachenunterricht implementiert und verändern die Methodik des Unterrichts. Das oft explizit genannte Ziel, welches hinter einer Methodik steht, liegt bei diesen Veränderungen darin, eine für die jeweiligen Umstände adäquate Form der Unterrichtsgestaltung zu finden.
Da sich nun aber die Frage stellt, was adäquat bedeute, gilt es die verschiedenen Methodiken nicht nur ihrer Form nach darzustellen. Vielmehr gehören sie auch dahingehend kritisch beurteilt, ob sie ihre selbst gewählten Grundsätze einhalten und ob sie nach heutigem Stand von Wissenschaft und Gesellschaft noch eine Funktion im modernen Fremdsprachenunterricht übernehmen können. Fragen, die hier eine Rolle spielen, sind unter anderem: Welche Position nimmt der Schüler als Individuum in der Methodik ein? Welche Fähig- und Fertigkeiten sollen oder wollen vermittelt werden? Welche wissenschaftlichen Ergebnisse sind oder sollten in die Methodenkonzeption miteinbezogen und welche sollten besser ignoriert werden? Die Liste der Fragen ließe sich fortsetzen. Wichtig erscheint mir dabei vor allem, dass das Konzept der jeweiligen Methodik so in groben Umrissen verständlich wird. Eine Untersuchung von Schulbüchern hinsichtlich ihrer Methode, die ursprünglich zu dieser Arbeit gehörte, wurde von mir hier weggelassen.
Beschäftigt man sich nun mit der Methodik im DaF-Unterricht, dann kommt zunächst die Frage auf, was man denn unter Methodik verstehe. In der didaktischen Forschung finden sich die verschiedensten Auslegungen des Methodikbegriffs, hier enger, dort weiter, wenngleich er überall thematisiert wird. Darum kann Gerhard Neuner konstatieren: In der Fachdiskussion herrscht jedoch beim Gebrauch des Terminus Methode keine Einheitlichkeit
[3]. Mein Konzept ist es, Methodik im Kontrast zur Didaktik zu sehen. Dabei kommt der Didaktik die Aufgabe zu, zu klären, was unterrichtet werden soll, wohingegen die Methodik sich mit dem Wie, der Art und Weise, der konkreten Unterrichtsgestaltung beschäftigt.[4] Viele Methodiken, so werde ich später zeigen, haben aber ausdrücklich auch das Was mit in Beschlag genommen. So fixierte sich die Grammatik-Übersetzungs-Methode auf Texte der Hochliteratur und im Gegensatz dazu die audiolinguale Methode auf die Umgangssprache. Wesentlicher Unterschied scheint mir hierbei zu sein, dass nach dem von mir favorisierten Definitionsansatz mehr Offenheit hinsichtlich der Unterrichtsinhalte besteht, wohingegen viele Methoden schon im Vorfeld des Unterrichts das Was festlegen.
Bei jeder Frage nach dem Wie und Was findet sich eine mehr oder minder elaborierte Theorie. Axel Vielau geht davon aus, dass Theorie für den Unterricht an sich als unumgänglich zu betrachten ist. So müsse jeder methodologische Unterrichtsschritt wohl begründet sein. Die Theorie liefere das Rüstzeug, sich für oder gegen ein Unterrichtskonzept zu entscheiden. Theorie an sich
, so Vielau weiter, ist daher unvermeidbar; fraglich ist nur die Begründungsqualität der Theorie.
[5] Diese Frage, nach der Begründungsqualität der betrachteten Methodiken, also des Wie im Unterricht, ist eine, die im Folgenden wiederholt gestellt werden wird.
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[1] Vgl. Kap. 2.3 Die audiolinguale/audiovisuelle Methode.
[2] Vgl. Kap. 2.2 Die direkte Methode.
[4] Neuner befürwortet eine Zerlegung des Begriffs Methodik: Vorgeschlagen wird deshalb eine Unterscheidung von approach (theoretische Grundlage), method (Unterrichtsprinzipien und -strategien) und technique (spezifische Aktivitäten und Verfahren in der Unterrichtspraxis).
(Ebd.) Ich denke, dass ich im Rahmen meiner Arbeit gleichwohl mit meiner, zugegebenermaßen schlichteren Definition von Methodik, das gesteckte Ziel besser erreichen kann.
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