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[13. März 2004]

Die Ringparabel bei Boccaccio, gelesen als Niederschlag von Renaissanceideen

Mit einem Ausblick auf die Adaption von Lessing

Abstract
Die 100 Erzählungen in Boccaccios Dekameron gehören zur Weltliteratur. Eine der bekanntesten, die Ringparabel, wird hier unter Berücksichtigung von Renaissancegedanken analysiert. Abschließend folgt ein kurzer Ausblick auf die Weiterbearbeitung der Parabel in Lessings Nathan der Weise.

Als Boccaccio seine Novellensammlung von weltliterarischem Rang, Das Dekameron, im Alter ob ihrer vermeintlichen Unmoral so stark bedrückte, dass er sie als Jugendsünden[1] zu verklären suchte, war es schon zu spät. Die Geschichten waren massenhaft abgeschrieben und vervielfältigt, sie waren mit Begierde gelesen und mit Eifer verdammt worden.[2] Jetzt standen sie im Raum und sollten nachfolgenden Literatengenerationen als Grundlagenwerk dienen, das ihnen eine neue literarische Gattung bereitstellte und zugleich – so zumindest einige Ausleger – jedwedes formale Rüstzeug bereithielt, dessen man für das Verfertigen von Novellen bedarf[3]. Doch beschränkte sich die Aufnahme der Geschichten Boccaccios nicht auf literaturtheoretische Aspekte, auch ihr inhaltlicher Gehalt sollte in späteren sprachlichen Kunstwerken immer wieder aufgegriffen und modifiziert werden. Eine dieser wiederholt verarbeiteten Geschichten ist die Ringparabel. Dass die Gründe dafür, dass gerade diese schmale Novelle eine derartige Berühmtheit erlangte, auf das Denken des 14. Jahrhunderts, also der Zeit ihrer Niederschrift bei Boccaccio, zurückzuführen ist, wird diese kleine Arbeit zu zeigen versuchen. Darüber hinaus soll ein Streiflicht auf die prominenteste Erweiterung ihres Gehaltes – gemeint ist ihre Verarbeitung in Nathan der Weise von Lessing[4] – zeigen, wie die Philosophie der Renaissance, die den Menschen von der sakralen Sphäre zu trennen und vornehmlich in der profanen zu betrachten begann, dem Aufklärer Lessing Vorarbeit für seine Adaption der Ringparabel war.

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[1] Vgl. hierzu Hesse, Hermann: Boccaccio. Der Dichter des Dekameron. 2. Auflage, Leipzig u. a. (1997), S. 27 und Grabher, Carlo: Giovanni Boccaccio. Leben und Werk des Frühhumanisten. Hamburg (1946), S. 134.

[2] Wenn Boccaccio in der Einleitung zum vierten Tag schreibt, dass er von einem Winde rauh durchrüttelt, ja schier entwurzelt und von den Bissen des Neides ganz zerfleischt worden (Giovanni di Boccaccio: Das Dekameron. Bd. 1. Leipzig u. a. (1972), S. 341) sei, dann verweist er auf die mitunter ablehnende Aufnahme einiger moralisierender Zeitgenossen, die die bereist erschienen Geschichten der vorhergehenden Tage geißelten.

[3] Erinnert sei nur an den Aufsatz Nachrichten von den poetischen Werken des Johannes Boccaccio von Friedrich Schlegel, in dem er seine Novellentheorie entwickelte, und an die berühmt-berüchtigte Falkentheorie des Herrn Heyse, die er in Meine Novellistik aus dem Jahr 1900 formulierte.

[4] In: Lessing, Gotthold Ephraim: Nathan der Weise. Stuttgart (1990), V. 1911–2054. Ferner sei noch auf die Bearbeitung Hans Sachs’ hingewiesen: Der Jued mit den dreyen ringen.

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